Geschichte 🐛🐛 mit Würmern

Teil 2

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Im 2. Teil dieser kleinen motivierenden Geschichte mit Würmern (oder Raupen) ist es cool, eben diese zu knabbern. Vielleicht gerade weil sie etwas eklig, ätzend und halbgiftig sind? Ein Lolli würde wohl nicht reichen, dich zum Erwachsenen zu machen.

Artikelbild: Seidenraupe
Bringt ihr eigenes Knabbertütchen mit: Die Seidenspinner-Raupe

Stell dir also vor: Würmer knabbern ist cool

Raucher: Diese … diese Würmer – cool? Das musst du mir erklären. Das versteht doch kein Mensch! Warum?
Erzähler: Tja, warum! Das ist nur schwer zu erklären …

Vielleicht sind Würmer cool, weil die Giftstoffe aus dem Wurmdarm unmittelbar den Blutkreislauf erreichen.
Sie überwinden die Blut-Hirn-Schranke innerhalb von Sekunden. Moleküle aus dem Wurmkot werden direkt zu den Synapsen deines Belohnungszentrums geschossen, es macht Klick! und Kick! nur Augenblicke, nachdem du das aufgeplatzte Wurminnere durch die Schleimhäute im Mund aufgenommen hast –
und du fühlst dich … ein paar Zehntelsekunden lang … tatsächlich high.

😲 PLING! 🙃 🤡

☕☕☕ Als würdest du einen zwiefach gebrühten und dreifach geschüttelten, im Feuer gefalteten, wieder und wieder auf Kohle geschmolzenen und mit Thors Mjölnir gehämmerten nachtstarken Kaffee, Mutter, Onkel und Urgroßvater aller je aufkochten Kaffees brandheiß herunterschütten. 👀

🌩️

Dieses High hebt dich für einen minimalen Augenblick aus dem Alltag heraus. Diese kurzen Zehntelsekunden genügen, ganz bei dir zu sein.
Aus dem Fluss des Geschehens zu treten.
Eine Distanz zwischen dich und alles andere zu legen.
Und dann wieder, wie von außen, lässigen Schritts in die gewohnte Welt zurückzukehren, mit verändertem, schärferem Blick.

Das lässt die ganze Sache mit dem Ekel, mit den Giftstoffen, mit all ihren Nachteilen in einem anderen Licht erscheinen. Dieser Kick! verändert alles.
Das willst du wieder haben. Dein Gehirn hat sich geändert. Es verbindet den Kick mit dem Ekel, der Ekel ist schwächer, der Kick so stark, dass der Ekel verschwindet, du frisst das ekligste Viehzeug aus der Tüte, das der Menschheit seit Neandertal auf den Teller kam, aber dein Gehirn, das arme, verwirrte, veränderte, dein Gehirn ist begeistert. Du bist in ein Paralleluniversum eingetreten, in dem der Wurm im Zentrum steht.
Deine Realität hat sich geändert. Ja, man kann sagen, du bist ein Stück weit verrückt geworden.

🌈 🦋 ☀️

Nach einer Weile fangen die Würmer also an, dir zu schmecken. Das kenne ich übrigens von mir selbst.

Wenn du meine Fallstudie lesen möchtest, wie ich nach vielen, vielen erfolglosen Versuchen doch noch rauchfrei wurde, folge diesem Link: Die kontrollierte Rauchbremsung – meine Fallgeschichte.

Jedenfalls, du wirst gar nicht mehr darauf verzichten wollen.
Für all dies gibt es, nebenbei, einen Begriff unter Medizinern.

Raucher: Und zwar?
Erzähler: Er heißt Sucht. Du bist süchtig – nach Würmern.

Die coole Todesverachtung

Rauchen verursacht – mit Abstand – die meisten vermeidbaren Todesfälle und Erkrankungen in der EU.

Europäische Kommission: Tabak

Natürlich sind deine Eltern – obwohl sie es selber tun -, dein Arzt, deine Lehrer dagegen.
Es ist bekannt, dass das Gift aus dem Wurm das Wachstum deines Hirns behindert, wenn du jünger bist – und Demenz begünstigt, wenn älter.

Erzieher predigen gegen die Würmer. Prediger schimpfen. Krankenkassenverbände und Politik fahren Kampagnen und bieten Wurmkuren an.
Allerdings: Umso besser für die Wurmindustrie!

Raucher: Wie das?

Der sich kringelnde Wurm in der Hand wird ein Zeichen deiner Unabhängigkeit. Der Todesverachtung. Des Umstiegs vom tristen Einerlei in etwas Wilderes, Gefährlicheres.
Ja, der Transzendenz des Augenblicks. Du weißt Bescheid, die Würmerei macht dich krank, alt, hässlich, aber du machst dir nichts draus. Die Autoritäten können dich mal. Du bist frei. Die Regeln sind dir wurscht.
(Wir sind mitten in dem Paralleluniversum des Süchtigen, nicht vergessen!)
Mit dem Wurm befreist du dich – für einige Zeit – von der Zeit, du erkaufst du dir ein Stück Ewigkeit.

Raucher: Eklig, aber ewig … Wer könnte da widerstehen?
Erzähler: Tja, wer.

Erklärt es das?
Die Sache mit den Würmern wäre eigentlich uncool – giftige, eklige Würmer sind nun einmal uncool, gelbe Finger sind uncool, eine blasse, pergamentgraue Haut ist leider ebenfalls uncool, daran kann man nichts ändern -, ABER:
Das Spiel mit der Gefahr, dem Geheimnisvollen, dem Tod, es wirkt, als wäre es cool. Es ruft: Ich bin jederzeit bereit, mich zu opfern. Ich gehe meinen eigenen Weg.
Von wegen. Deine ganze schöne Unabhängigkeit ist in Abhängigkeit gemündet.

Was, nebenbei, nichts daran ändert, dass du und alle anderen, die sich der Würmerei verschrieben haben – dass ihr extrem abstoßend riecht. Bei jedem verspeisten, am Gaumen geplatzten Wurm sind 30.000 Giftstoffe aus seinem Inneren in deinem Körper unterwegs.
Du dünstest das aus und riechst jetzt selbst wie alter Ziegenkäse.
Unter den 30.000 Giften übrigens Vieles und Seltsames, das der Arzt nicht so gern sieht.

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