Case Study 📃 Vom Nichtraucher zum Raucher – und wie ich wieder zurück kam 😀

Teil 4: Mit der kontrollierten Rauchbremsung zum Nichtraucher

Im 4. Teil dieser Fallstudie geht es um Rettung aus höchster Not: Nach 12 Jahren als Raucher ohne Aussicht auf Rauchfreiheit mit der kontrollierten Rauchbremsung doch noch zum Nichtraucher.

Kontrollierte Rauchbremsung: Nichtraucher werden.

Der Weg in die Freiheit vom Rauchen

Zwei Mal hatte ich es ernsthaft mit dem kalten Rauchstopp versucht. Beide Male war ich gescheitert. Beide Versuche hatten mich schwächer und hilfloser zurückgelassen – ich war objektiv nicht Herr der Lage, gab mir aber subjektiv die Schuld.
Einmal hatte ich es mit der Methode des Zigarettenzählens versucht.
Mit dem selben, niederschmetternden Ergebnis.

Das alles, die Versuche, das Unterschätzen der Sucht, das Überschätzen der Willenskraft, der Suchtfaktor selbst, körperlich wie psychisch, die deprimierenden Folgen des Entzugs – wer das nicht ohne Rauch übersteht, der ist nicht schwach. Auch wenn es mir damals so vorkam.
Er hat nur noch nicht die richtige Methode gefunden.

Weiter zu rauchen war damit kein Versagen – es sah allerdings von außen so aus und fühlte sich, direkt nach dem gescheiterten Rauchstopp-Versuch von innen so an. Dieser Eindruck: Versagt zu haben, – er schwächte mich weiter.
Dem wollte ich mich nicht noch einmal aussetzen.

Step by Step

Dieses Mal würde ich also alles richtig machen.
Nach dem Motto Selbst getan ist wohlgetan! nahm ich all meine Erfahrung des Scheiterns zusammen, schrieb auf, las, probierte aus, verglich, behielt das Beste, verwarf das Schlechte, beschäftigte mich monatelang mit dem Thema, und lernte über Sucht, das Belohnungssystem und die Kunst der Selbsttäuschung, welcher der Abhängige unterliegt, was immer ich konnte.
Die wirksamsten Techniken destillierte ich heraus, kombinierte sie und entwickelte sie in der Kombination weiter.
Manches, Entscheidendes, fand ich sogar exklusiv.

Wichtig war mir: Alles, was nach Anstrengung und Mühe aussah, alles, was öde, langweilig, vor allem zu langwierig wirkte, warf ich kurzerhand raus.
Zeit lassen – ja! Zeit vergeuden, nein. Es ist ohnehin schon eine Umstellung, mit dem Rauchen aufzuhören. Da musste ich mir nicht noch zusätzlichen Stress mit komplizierten Listen und unwirksamen, zeitraubenden Ritualen aufhalsen.
Von den wirksamen Ritualen – die es ja auch gibt, – spreche ich hier nicht.

Erst jetzt, nach Monaten der Vorbereitung und Entwicklung, als ich meine Methode beisammen hatte, setzte ich sie um.
Mein Ziel, nicht besonders überraschend: Die psychische Gewöhnung an das Rauchen als auch die körperliche Gier, die physische Abhängigkeit und die sozialen Gewohnheiten des Rauchens allmählich herunterzufahren auf Null.
Die Strategie? Statt bei jeder einzelnen Zigarette immer wieder neu die zentrale Entscheidung aufzurufen – soll ich sie rauchen? Soll ich nicht? -, war es mir wichtig, psychische Energie zu sparen und die Verantwortung an einige einfache zielführende Grundregeln abzugeben. Baustein für Baustein ließ ich mich mit einer Handvoll simpler Maßnahmen leiten, die mich ohne Eile oder Krampf durch den Tunnel zur Rauchfreiheit führten.
Einzeln klingen die Maßnahmen vielleicht etwas unspektakulär: Den Stummel nicht rauchen, die Marken wechseln, mich unabhängig machen von Situationen, das Rauch-Fenster im Tagesablauf verkleinern …
Insgesamt bilden sie ein flexibles, insgesamt konsequentes Programm, das mir half ohne größere Mühe mit dem Rauchen aufzuhören – oder eher, wie ich es gern betrachte: Ich hatte mir eine unkomplizierte Maschine gebaut, auf der ich, die Füße hochgelegt, entspannt und ohne Entzugserscheinungen bequem durch besagten Tunnel getragen wurde.
Diese Maschine ist die Methode der kontrollierten Rauchbremsung.

Einige dieser Maßnahmen beschreibe ich genauer in der Rubrik Tipps zum Rauchstopp; weitere folgen.
Der Effekt der kontrollierten Rauchbremsung jedenfalls liegt darin, dass all diese Maßnahmen, Baustein für Baustein, zusammen die Methode bilden, die mir als Ganzes half – und dir, hoffentlich, ebenso helfen kann.

Das Wichtigste: Zeit lassen. Nichts übers Knie brechen.
Ich war zwölf Jahre lang abhängig, wie sollte ich das in 5 Stunden für immer loswerden?
Beim Rauchstopp ist es nicht anders als beim Abnehmen: Eine Crash-Diät, das hatte ich mit meinen Versuchen des kalten Rauchstopps ja erlebt, bringt gar nichts. Nur Frustration, und – im schlimmsten Fall – eine Verschärfung des Problems.
Es stimmt, es gibt da immer noch die harten Leistungssportler, die sich morgens in einer Wanne Crushed Ice waschen und danach 5 km nackt ums Wohnviertel joggen, bevor sie in die Unterwäsche von gestern schlüpfen und ein Glas Eisenfeilspäne frühstücken. Diesen Haudegen wird eine sanfte, aber erfolgversprechende Methode niemals gefallen.
Aber mit dem Rauchen aufzuhören muss nicht wehtun. Niemand muss sich bei diesem Thema beweisen, was für ein harter Mann / was für eine toughe Frau er/sie ist.
Es gibt keine Punkte für Selbstkasteiung.

Also ließ ich mir Zeit und arbeitete ohne Mühe, ohne Quälerei, jeden Tag meine paar Punkte ab. Es dauerte einige Wochen – dafür hatte ich dieses Mal, trotz 12-jähriger Abhängigkeit, weder mit psychischen noch mit physischen Entzugserscheinungen zu tun.

Der Fahrer eines voll beladenen LKW, der bei regennasser Straße auf der Autobahnbrücke von 120 km/h die Bremse durchtritt und auf 0 abbremst, spielt mit seinem Leben. Die Chance, dass der Anhänger ausbricht, die Leitplanken durchschlägt und das ganze Gefährt hinunterzieht in die Schlucht, ist höher – sehr viel höher! -, als hätte er nach und nach heruntergeschaltet, wäre langsamer und langsamer gefahren und schließlich, stressfrei und kontrolliert, einfach stehen geblieben.
Genau so hielt ich es nun.

Und siehe da!, nach Ablauf von 10 oder 12 Wochen hielt ich eine meiner letzten Zigaretten in der Hand, wollte sie anzünden, und stellte fest: Eigentlich will ich die gar nicht mehr rauchen.
Und ich brauchte sie auch nicht mehr.
Da war er, der Kick!, der beste von allen – und er war nicht von schlechten Eltern. Plötzlich durchströmte mich ein körperliches Empfinden von freudiger Souveränität, von gelassener Stärke.
Ich steckte die Zigarette in die Packung zurück, und da blieb sie.
Es stellte alle Kicks aus meiner Rauchzeit weit in den Schatten.

Ich war frei. Wirklich frei.

Mein Resümee:
Mit der Methode der kontrollierten Rauchbremsung habe ich mich – nach jahrelanger Nikotin-Abhängigkeit und eigentlich ohne Aussichten, jemals wieder dort herauszukommen – am Ende doch noch aus der Sucht befreit. 😎
Wenn du, wie ich, der Meinung bist, dass der Ausstieg aus dem Rauchen bzw. der Einstieg in die Rauchfreiheit keine Quälerei sein muss: Du bist herzlich eingeladen, dieser Methode zu folgen.*

* Für die Anwälte unter euch: Es hängt immer auch von dir ab. Daher ohne Gewähr.

Fang gleich damit an!

Falls du noch rauchst – ein guter Zeitpunkt aufzuhören! Folge den Tipps zur kontrollierten Rauchbremsung!

PS.: Ich gebe zu, seitdem habe ich noch einige Male geraucht.
Eine befreundete Schriftstellerin, die Kette raucht, tut das so sinnlich, so verführerisch, dass ich, wenn ich mit ihr zusammen saß, gelegentlich die Einladung annahm und mit ihr rauchte, was das Zeug hielt.

Der Unterschied zu früher:
Das waren, in den Worten Allen Carrs, Ausrutscher, keine Rückfälle.

Am nächsten Morgen schmeckte ich mir selbst derart widerlich, derart nach Asche und Ekel, dass ich danach wieder monate-, ja, jahrelang keine Zigarette mehr anfasste.
Was insgesamt umso mehr beweist: Ich war nicht ein Ex-Raucher, der jederzeit wieder am Stängel hängen kann. Ich war vom Ork wieder zum Elb geworden, zum waschechten Nichtraucher – und ich bin es bis heute, über 12 Jahre später, geblieben.

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