Case Study 📃 Vom Nichtraucher zum Raucher – und wie ich wieder zurĂŒck kam 😀

Du möchtest anhand einer Fallstudie sehen, wie eine Raucherkarriere – auch nach mehreren erfolglosen Versuchen des Rauchstopps – durch die kontrollierten Rauchbremsung glimpflich beendet werden kann? Lies meine Fallgeschichte!

Fallstudie: ZurĂŒck zum Nichtrauchen.
Case Study: Leben. Vom Nichtraucher zum Raucher – und zurĂŒck

Wie ich in die AbhĂ€ngigkeit hinein geriet und es wieder heraus schaffte 📃 Meine Fallstudie

Hallo, mein Name ist Stefan. Zur Motivation, und damit du weißt, wer den Blog Rauchen ist blöd – aufhören ist sexy schreibt, berichte ich dir auf den folgenden 4 Seiten von meiner ĂŒber 12-jĂ€hrigen Rauchkarriere, und wie ich es – gegen jede Hoffnung und Wahrscheinlichkeit – am Ende doch noch geschafft habe, vom Raucher zum Ex-Raucher, ja sogar wieder zum Nicht-Raucher zu werden.

Inhalt:

Du planst, mit dem Rauchen aufzuhören – oder denkst zumindest darĂŒber nach? Dann bist du hier richtig.
Jedes Wort, jede Information, jeder Hinweis auf dem Blog Rauchen ist blöd – Aufhören ist sexy dreht sich um die eine, einzige Frage: Wie wirst du ohne QuĂ€lerei, ohne Entzugserscheinungen und ohne RĂŒckfallgefahr vom Raucher (wieder) zum Nichtraucher, von der Raucherin zur Nichtraucherin?

NatĂŒrlich hĂ€ngt der Erfolg nicht zuletzt von deinen UmstĂ€nden ab – Motivation, Umfeld, Grad deiner AbhĂ€ngigkeit, die Stetigkeit, mit der du die hier vorgeschlagenen Methoden verfolgen kannst etc.
Jeder Tipp, jede Info jedoch, die Rauchen ist blöd dazu beitragen kann, dir das Rauchen aufhören so leicht wie möglich zu machen, wird es dir anbieten.
Du möchtest wissen, woher ich weiß, was ich weiß, und warum meine Methode der kontrollierten Rauchbremsung so gut funktioniert?
Hier: Ich erzÀhle dir kurz die Geschichte meiner Raucherkarriere.


Nicht zwei Rauchergeschichten gleichen sich aufs Haar. Trotzdem gibt es typische Stadien und VerlÀufe, die den meisten Karrieren der NikotinabhÀngigkeit gemeinsam sind. An diesen Wendungen und typischen Entwicklungen setzt die kontrollierte Rauchbremsung an.
Vielleicht erkennst du dich in dem einen oder anderen Punkt wieder?

Aller Sucht Einstieg ist leicht

Der Einstieg allerdings gehört ganz mir. In einem Wort: Ich war dumm.
Bis in mein Erwachsenenalter hinein hatte ich es geschafft, nicht bzw. nur gelegentlich zu rauchen. Eine Zigarette hier, eine da – der eklige Rauch, der fiese Nachgeschmack, das schale GefĂŒhl am nĂ€chsten Morgen: Es rief einfach niemals nach mehr.
Andere ĂŒberwinden diese Schwelle, an der dein Körper dir noch zu sagen versucht tu’s nicht! mit einer gewissen Leichtig- und Leichtfertigkeit.

Der soziale Antrieb mitzurauchen, die Neugier, das In-den-Wind-Schlagen autoritĂ€rer Verbote, die Lust am Erwachsenwerden, das Vorbild von rauchenden Eltern und anderes mehr ist stĂ€rker als die körperlichen Warnsignale – und viel, sehr viel schneller als deinen Ärzten lieb ist hat dein Körper sich an den Geschmack gewöhnt.

Was passiert bei der Gewöhnung?

Der zĂŒndende Nikotinfunke im Hirn verbindet sich mit dem Rauch. Nikotin macht dich wacher, aufmerksamer. Die Synapsen im Nucleus accumbens (dem „Belohnungszentrum“ im Vorderhirn) werden angeregt, das „GlĂŒckshormon“ Dopamin* auszuschĂŒtten.

Über physiologische Spuren in den Erregungsleitungen des zentralen Nervensystems – die so genannten Engramme – schreibt sich die Verbindung von Rauchen und GlĂŒcksgefĂŒhl ins GedĂ€chtnis ein.

In anderen Worten: Schon nach wenigen Zigaretten beginnt das Hirn sich umzugestalten. Selbst die Bewertung des natĂŒrlicherweise abschreckenden Brandgeruchs von brennenden TabakblĂ€ttern wird auf neuronaler Ebene ĂŒberschrieben – und umgebaut.
Die Sucht, die du zu vermeiden glaubst, ist schon lÀngst da.

* Dopamin: Stimulierender Botenstoff des zentralen Nervensystems, der bei der Entstehung von SĂŒchten eine zentrale Rolle spielt.

Hemmnisse

In dem Alter, in dem die meisten lebenslĂ€nglichen Raucher, der schönen, wilden SelbstĂŒberschĂ€tzung ihrer Jugend folgend, die Gewöhnungsschwelle so leichthin ĂŒberschreiten, hatte ich meinen eigenen entsetzlichen Grund vor Augen, Zigaretten zu meiden. Mein Vater, ein wunderbarer, starker Mann, Kettenraucher zeit seines Lebens, ging elend an einem Hirntumor zugrunde, und der war durch sein Kettenrauchen, wenn nicht ausgelöst (was möglich ist), so doch – medizinisch gesichert – befeuert worden.
Die durch das Rauchen verzögerte Wundheilung nach Operationen; die mangelnde Durchblutung des Gewebes nach Nikotin; die Giftstoffe im Blut etc., all das tat seine zerstörerische Arbeit und verschlimmerte den Tumor und die Folgen des Tumors von Jahr zu Jahr.
HĂ€tte mein Vater nicht geraucht, wĂ€re er heute möglicherweise ein gesunder, alter Mann. Wir wĂŒrden von Zeit zu Zeit telefonieren und gelegentlich zusammen im Garten in der Sonne sitzen. So aber starb er, viel zu frĂŒh, schon mit Mitte 50, und das nicht auf die leichte Art. Am Schluss erkannte er mich nicht mehr, konnte nicht mehr schlucken, wurde kĂŒnstlich ernĂ€hrt, hielt seine Frau fĂŒr seine Mutter und siezte sie. Dann hörte er auf zu atmen.
Aus diesem Beispiel hatte ich gelernt. Ich wollte gar nicht, dass Zigaretten mir schmeckten.
Raucher zu werden war schlicht keine Option.

Ein knappes Jahrzehnt spÀter jedoch, mit 29, traf mich ein heftiger Liebesunfall.
Schon einige Zeit vorher hatte meine damalige LebensgefĂ€hrtin, die wusste, dass ich ĂŒberzeugter Nichtraucher war, angefangen zu rauchen. Wahrscheinlich das erste Zeichen fĂŒr den Anfang vom Ende: Sie drĂŒckte symbolisch ihre zunehmende UnabhĂ€ngigkeit von unserer Beziehung aus.
Als das Ende dann kam, traf es mich trotzdem ziemlich unerwartet, und einigermaßen hart.
Nach der Trennung griff ich, nein flĂŒchtete ich mich, in einer verqueren Art nachholender Gemeinsamkeit – ausgerechnet in das Rauchen.

5 Monate Countdown

Es war der 15. Oktober, und, typisch: Ich glaubte tatsĂ€chlich, ich könne die Kontrolle behalten. Ich verkĂŒndete allen, die es hören wollten – und einigen, die es nicht hören wollten –, dass ich nur vorĂŒbergehend rauchen wĂŒrde, nĂ€mlich, das legte ich willkĂŒrlich so fest, bis zum 15. MĂ€rz des nĂ€chsten Jahres.
Es spiegelte sich irgendwie der 15. Oktober darin, war nicht zu weit entfernt und nicht zu nah, und mit diesem unscharfen Gedanken gab ich mich zufrieden.
Heute, im RĂŒckblick, klingt mir meine damalige Überzeugung fatal nach absurdem Witz: „Wenn ich merke, dass ich sĂŒchtig werde, höre ich auf!“
Auch das typisch im Zusammenhang mit dem Rauchen: Mein kritisches Denken setzte aus, ich stellte magische ZusammenhÀnge her und wurde zum GlÀubigen meiner eigenen unscharfen Rechtfertigung.
So schnell ging das.

Und dann rauchte ich – allerdings nicht 4 Monate, sondern ĂŒber 12 Jahre lang, anderthalb bis zwei Schachteln am Tag.
Ich habe es nachgerechnet: 365 Tage × ∅ 38 Zigaretten × 12,4 Jahre = 171.988 Zigaretten. 1,7 kg Teer.

DUMM im Quadrat!

Heute kann ich zwar kĂŒhl verstehen, aber emotional nicht mehr ganz nachvollziehen, was mich da ritt – ich wusste ja, was man sich mit dem Rauchen antut.
In meiner Situation damals aber war das wahrscheinlich zweitrangig.

Tief getroffen, brauchte ich wohl etwas, an dem ich mich festhalten konnte – die unbewusste Sehnsucht, mit meiner Verflossenen etwas gemeinsam zu haben, hat sicher mit hineingespielt; oder der Wunsch, mich wieder cool und souverĂ€n zu fĂŒhlen.
Kurz, ich trauerte wie ein Hund – und so griff ich nach jedem Strohhalm, und wenn er am einen Ende brannte und am anderen ein Filter saß, dann war mir das auch recht.

Ich glaubte wirklich, ich könnte 5 Monate lang rauchen wir ein Schlot – und dann einfach aufhören.
Ich unterschĂ€tzte den Suchtfaktor des Rauchens – körperlich, so weiß ich heute, ist er so hoch wie der von Alkohol; seelisch, und das ist das Entscheidende, so hoch wie der von Kokain.
Ich ĂŒberschĂ€tzte meine UnabhĂ€ngigkeit. Rauchen? Eine harmlose Sache, so dachte ich, wenn man es im Griff hat. Eine Frage der Willenskraft, dachte ich.
Und dabei schÀtzte ich die GefÀhrlichkeit der Situation völlig falsch ein.
Weshalb war das so?
Weshalb schĂ€tzte ich, der ich mich doch fĂŒr einen rational orientierten, intelligenten Menschen zu halten geneigt bin – weshalb schĂ€tzte ich die Situation wider besseren Wissens so falsch ein?

😬

Die Antwort ist simpel: Das durch die Trennung irritierte, verquirlte, rasende Durcheinander von GefĂŒhl und Wille und Verstand in mir wollte, dass das Rauchen harmlos sei. Mein Gehirn wollte das kurzfristig ablenkende, erleichternde Herumspielen mit der glimmenden Zigarette so sehr, dass es die reale DestruktivitĂ€t des qualmenden Giftcocktails daraus schlicht verleugnete.
Wenn ich auch theoretisch weiterhin wusste, was die Gifte aus dem Rauch mit meinem Körper anstellen wĂŒrden – emotional erreichte mich dieses Wissen nicht. Ich senkte die Deckung und blendete den Krankheits- und Suchtfaktor des Tabakmissbrauchs einfach aus.
Nur so ist zu erklĂ€ren, dass ich mir einbildete, ich könnte rauchen und rauchen und rauchen – und dann, einfach, fĂŒnf Monate spĂ€ter: Schluss damit!
Pfeifendeckel. 12 Jahre spÀter rauchte ich immer noch.
Mein Plan war untergegangen wie die Titanic.

Was ich also am 15. MÀrz, dem angezielten Ende meiner möchtegern-kurzen Raucherkarriere herausfand, war dies:
Der Glaube, ich könnte jederzeit problemlos aufhören, wenn ich nur wollte, gehörte zu den hartnĂ€ckigsten und dĂŒmmsten SelbsttĂ€uschungen meines Lebens.
In Wirklichkeit hatte 5 kurze Monate genĂŒgt, mich sĂŒchtig zu machen.

Weiter zum → 2. Teil der Fallstudie: Rauchstopp – Versuche und RĂŒckfĂ€lle

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